Bankverbindung

Tierschutzverein für den Kreis Heinsberg e.V.
Raiffeisenbank Heinsberg
BLZ: 370 694 12
Konto: 330 135 6012

Die wahre Geschichte, einer Hundedame namens Lotti

Eine kleine Hundedame wurde Anfang April im Tierheim abgegeben. Das Ehepaar hat sie orientierungslos aufgefunden und sie zum Tierheim gebracht. Vermutlich wurde sie ausgesetzt. Man sah direkt, dass die kleine, ältere Rehpinscher - Dame fast blind war. Das Tierheimteam taufte die kleine Maus auf den Namen Lotti.
Bis dahin, wusste ich nicht, dass unsere Begegnung zu einem gemeinsamen Weg werden sollte. Lotti wurde auf ca. 10 Jahre oder auch älter geschätzt. Da ich ein neues zu Hause für Lotti per Zeitungsartikel suchen wollte nahm ich sie am 1. Mai zu uns nach Hause. Ich wollte die kleine Dame besser kennen lernen. Nun, sie war ruhig und nur lieb.
Jedoch hatte sie enorme Schwierigkeiten beim urinieren sowie beim Stuhlgang. Ständig war sie dabei ihre kleinen und großen Geschäfte zu erledigen, jedoch immer unter großer Anstrengung. Nach kurzer Zeit stand fest, dass wir mit Lotti noch mal zum Tierarzt fahren. Wir wollten sicher gehen, dass es nichts Ernstes ist.
Als die Diagnose fest stand, stand unsere Entscheidung fest. Sie kommt mit zu uns nach Hause.
Die Diagnose? Glaukom ( grüner Star ), Verdickung der Darmschlingen, kleiner Tumor zwischen Magen und Darm,   Blasenentzündung, körperlich schlapp und kaum Muskulatur!
Sollten wir Lotti jetzt wieder in den Zwinger setzen? NEIN! Ich gab ihr viermal am Tag die Augentropfen, da ein Glaukom auch schmerzhaft ist und der Augendruck sehr erhöht war. Die Tropfen sollten den Augeninnendruck senken. Zudem bekam sie verschiedene Medikamente. Die Wirkung der Medikamente sollte nach ca. zwei bis drei Tagen eine Verbesserung zeigen. Ich, das Pflegefrauchen, habe in dieser Zeit viel Stunden mit ihr gemeinsam verbracht. Sie fand in " ihrem " Zimmer, die Ruhe die sie brauchte. Lotti fühlte sich unglaublich wohl. Wenn ich auf sie zuging, kam sie und wedelte. Leider stellte ich aber auch fest, dass sie abnahm, trotz meiner Versorgung.
Lotti liebte es sich in meinem Fleecepulli einzukuscheln - egal ob in ihrem Körbchen oder auf meinem Arm. Jeden morgen war das Lotti - Zimmer mit kleinsten Häufchen und Pfützchen übersät. Diese entfernte ich selbstverständlich kommentarlos. Lotti konnte schließlich nichts dafür - sie war krank. Beim saubermachen verkroch sich Lotti immer. Ein unheimlicher Gedanke setzte sich immer mehr in meinem Kopf fest: Ob sie dafür beschimpft wurde? War das der Grund, warum Lotti vielleicht ausgesetzt wurde?
Sie hatte sehr schnell verstanden, dass sie bei uns unsauber sein durfte und entspannte sich. Am Montagabend, gefiel sie mir gar nicht. Lotti zog sich immer mehr und mehr zurück.
Am Dienstagmorgen, verweigerte sie die Futteraufnahme. Ich bot ihr alle verschiedenen Hundefuttersorten an, auch Katzenfutter. Ich war verzweifelt, sie wollte nicht. Lotti so zu sehen, brach mir das Herz. Dieses arme Seelchen, wurde sie zum sterben ausgesetzt? Unvorstellbar für mich. Diese Vermutung machte mich mehr als fassungslos und wütend. Diesen Weg, den ich nun mit Lotti gehen musste, wäre die verdammte Pflicht ihres Besitzers gewesen. Die Würde von Lotti wurde von ihnen mit Füßen getreten. Aber auf mich konnte Lotti sich verlassen. Ich habe gebetet, dass sie sich erholt und zumindest noch einige Monate bei uns bleiben kann. Leider hatte Lotti die Kraft nicht mehr dazu. Ich bin mit Lotti und Fleecepulli zum Tierarzt gefahren. Es war eindeutig zu sehen, dass es nun nur noch Quälerei wäre, wenn wir sie nicht erlösen würden.
Im Pulli und auf meinem Arm, durfte Lotti in Ruhe für immer einschlafen.  Sie hat sich richtig an mich gekuschelt. Es war für mich die Hölle, sie gehen zu lassen. Das war ich ihr aber schuldig. Lotti sollte nicht weiter leiden müssen, nur weil ich vielleicht zu feige wäre sie gehen zu lassen. Ich habe sie auf ihren letzten Weg begleitet. Das Tierheimteam, genauso wie ich, vermuten dass dieses nicht ein Einzelschicksal ist. Lotti und auch die anderen alten, kranken Tiere, haben es verdient in Würde und mit Respekt bis zu ihrem Ende begleitet zu werden. Egal wie schwer es dem Menschen fällt. Glauben sie mir, auch jetzt weine ich um den Verlust von Lotti. Ich vermisse sie, obwohl wir beide uns nicht lange kannten. Ich hatte die Ehre und das Glück ganze acht Tage mit ihr zu verbringen. Diese Tage haben mir sehr viel gebracht. Soviel Zuneigung kam mir von Lotti entgegen, man kann es mit Worten nicht ausdrücken. Denken sie daran: Auch wir werden alt und krank. Was wünschen wir für uns? Wollen wir mit solch einer Nichtachtung behandelt werden?

Ein paar Zeilen möchte ich noch an Lotti persönlich richten:

Liebe Lotti, du glaubst nicht wie ich dich vermisse. Ich hoffe, ich habe dir  ein wenig Würde, Respekt und Liebe gegeben, die du vermutlich bisher vermisst hast. Ich bin davon überzeugt, hättest du das alles bekommen, so hätte man dich nicht ausgesetzt. Ich weiß, du bist jetzt im Regenbogenland angekommen. Dort wird es dir gut gehen. Ich hoffe dass du bei uns glücklich warst. Ich durfte dich nur acht Tage kennen lernen, aber es war eine Bereicherung. Ich habe dich wirklich in meinem Herzen eingeschlossen und da halte ich dich für immer fest: Habe dich doll lieb und mach es gut.

Liebe Grüße von deinem Pflegepapa und auch von Ratz und Rübe. Alle vermissen dich.

Dein Pflegefrauchen


Anmerkung Redaktion Lotti wurde als Fundhund bei uns abgegeben, sie verstarb einige Tage später am 8. Mai 2007