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Tierhalteverbot für Gänsequäler Schwerk
Tierquälerei wurde subventioniert.
Die niedersächsische Firma Schwerk (Wistedt, Königsmoor) reißt ihren Gänsen brutal die Federn aus. Diese Tierquälerei geschieht mit Rupfmaschinen, die eigentlich für tote Tiere gedacht sind. Gleichzeitig kassierte der Betrieb 650.000 Euro an EU-Subventionen.
VIER PFOTEN hat Anzeige erstattet und ein Tierhalteverbot für den Gänsezüchter gefordert. Das hat der verantwortlich Landkreis Harburg inzwischen erteilt.
Bisher offen ist, ob das Tierhalteverbot, wie gefordert, für alle Verantwortlichen der Firma Schwerk gilt. Falls nicht, bleibt die jetzt getroffene Maßnahme bedeutungslos und wäre ein Schlag ins Gesicht für Tierschützer und Verbraucher.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor auf Hochtouren. Der Daunenverband will von nichts gewusst haben.
Subventionen für Tierquäler
Mit dem Lebendrupf verstößt die Gänsezucht Schwerk, gegen das EU- Recht sowie gegen das Tierschutzgesetz und wird dabei auch noch finanziell unterstützt: Die Gänsefarm Schwerk erhielt seit 2005 jährlich 165.000 Euro an Subventionen aus EU-Geldern, was ein klarer Verstoß gegen das EU-Recht ist. Das Europäische Übereinkommen zum Schutz der Nutztiere schreibt den Mitgliedsstaaten vor, dass Lebendrupf zu verbieten ist. Empfänger von EU Subventionen müssen sich an das EU-Recht halten, ansonsten haben sie keinen Anspruch darauf. Auf Landesebene stellt sich die Frage nach der Rückzahlung der jahrelang geleisteten Subventionen.
VIER PFOTEN bitte die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Federn und Daunen aus dem brutalen Lebendrupf im Wert von einer halben Million Euro sind an einen Abnehmer in der Daunenindustrie geliefert worden.
VIER PFOTEN sucht nun Zeugen dieses Handels. Wer etwas weiß melde sich bitte bei VIER PFOTEN unter 040/399 249-0 oder sendet eine E-Mail an: office@vier-pfoten.de
VIER PFOTEN dokumentiert
30. Juni 2009, 40 km entfernt von Hamburg, in dem Dörfchen Königsmoor. Heimlich und unter größten Sicherheitsvorkehrungen begehen die Mitarbeiter einer der größten Gänsezuchtanlagen Deutschlands strafbare Tierquälerei. Systematisch werden hunderte Gänse brutal an eine Rupfmaschine gepresst. Rotierende Metallscheiben reißen die Daunen aus der Haut der schreienden Gänse. Die Maschinen klingen wie Kreissägen und übertönen die Panikschreie der Gänse. Ein Mitarbeiter packt die Gänse grob an Flügel oder Hals, reicht sie den Rupfern. Gänse versuchen zu fliehen und werden mit Fußtritten zu der Rupfmaschine getrieben. Ein Mitarbeiter wird wütend und trampelt auf einer Gans herum. Die gerupften Tiere werden einfach auf die Weide geworfen - sie überschlagen sich und humpeln panisch davon. Einige Tiere bleiben liegen, sie haben die Prozedur nur schwer verletzt überlebt, viele von ihnen werden sterben.Denn um die verletzten Tiere kümmert sich niemand. Nach der qualvollen Prozedur, die viele Stunden dauert, untersuchen VIER PFOTEN Mitarbeiter die Tiere. Die gerupften Gänse sind mit Wunden übersät, einige Tiere bluten stark und liegen mit gebrochenen Beinen oder Flügeln in der prallen Sonne. Ein besonders schwer verletztes Tier wird von VIER PFOTEN zum Tierarzt gebracht. Die Diagnose: das Bein ist mehrfach gebrochen, die Flügelfedern sind blutig ausgerissen, die Brust ist kahl und auf dem lebenden Tier wimmeln Parasiten. Die arme Gans muss eingeschläfert werden.
Veterinäramt versagt
Innerhalb von nur 48 Stunden gelang einem Recherche-Team von VIER PFOTEN diesen unglaublichen Verstoß gegen das Gesetz nachzuweisen - das zuständige Veterinäramt wusste scheinbar von nichts und schweigt nach wie vor zu den Vorwürfen. Schlimm genug, dass hier seit Jahren aufs Gröbste gegen das deutsche Tierschutzgesetz verstoßen wird. Aber dass die Behörden nun halbherzig agieren und in Richtung Ordnungswidrigkeit ermitteln, ist unglaublich. Mit diesem Verhalten wird ärgste Tierquälerei in tausenden Fällen auf das Niveau von Falschparken herabgesetzt.
Nun versucht das zuständige Veterinäramt, von dem eigenen Kontrollversagen abzulenken, indem es VIER PFOTEN beschuldigt, das Amt nicht rechtzeitig informiert zu haben. Ein unfassbarer Vorwurf! Erst verschläft das Amt jahrelang die hunderttausendfache Tierquälerei, und nun beschuldigt es die Aufdecker, nichts unternommen zu haben. Dabei hat VIER PFOTEN natürlich versucht, das Veterinäramt zu alarmieren. Ohne Erfolg. Die zuständige Notrufzentrale weigerte sich, die Dienstnummer der Amtsveterinärin Astrid Krüger herauszugeben und gab an, dass Rückrufe bei einer österreichischen VIER PFOTEN Telefonnummer nicht möglich wären.
Kein Einzelfall
Die schrecklichen Szenen sind kein Einzelfall. Nach VIER PFOTEN Informationen lässt die Firma Schwerk seit Jahren systematisch zehntausende Gänse rupfen. Die Tonnen wertvoller Daunen gehen an eine große deutsche Daunenfabrik, die den Einkauf der illegalen Ware abstreitet. Dabei muss es noch mehr Mitwisser gegeben haben, denn im Sommer werden kaum Tiere geschlachtet und damit auch kaum Daunen von toten Tieren gewonnen. VIER PFOTEN hat Anzeige gegen die Verantwortlichen wegen Verstoßes gegen das deutsche Tierschutzgesetz erstattet und fordert ein Tierhalteverbot für den Gänsezüchter. VIER PFOTEN wird auch Ermittlungen gegen den verantwortlichen Amtsveterinär anstellen, der die tausendfache Tierquälerei über Jahre hinweg übersehen hatte.
Auch der deutsche Lobbyverband der Daunenindustrie, der letztes Jahr versicherte, deutsche Gänsefarmen hätten mit solcher Tierquälerei nichts zu tun, wusste angeblich von nichts. Dies zeichnet erneut ein fragwürdiges Bild, eines von einem Fachverband, der offenbar nicht einmal weiß, was vor der eigenen Haustür passiert und gleichzeitig behauptet, der Tierschutz würde Falschaussagen treffen. Die Gänse der Firma Schwerk werden an Geschäfte in ganz Deutschland geliefert und in Supermärkten, Feinkostgeschäften und Restaurants verkauft.
Der Lüge überführt
Der Gänsezüchter flüchtet sich, konfrontiert mit den Beweisen, in Ausreden. So behauptet der Geschäftsführer Schwerk gegenüber Journalisten und VIER PFOTEN, dass die Tiere „aus medizinischen Zwecken wegen einer Penisinfektion "gerupft"; werden mussten, und dass das Veterinäramt diese Maßnahme gebilligt hätte" – Eine offensichtliche Lüge, denn von den dokumentierten Hunderten Gänsen waren nur eine Handvoll männlich. Die Tiere wurden bei der Rupfaktion weder untersucht, noch war tiermedizinisches Personal anwesend.
Ein Anwohner hat die Tierquälerei schon seit Längerem beobachtet. Zudem wurden allein in den letzten Wochen tausende Gänse an verschiedenen Standorten im Gebiet Wistedt mit sichtlich lang erworbener Routine gerupft.
Die profitable Federernte wurde sorgfältig in großen weißen Säcken abtransportiert. VIER PFOTEN hat Hinweise, dass die heiße Ware nach Bekanntwerden des Skandals hektisch in Sicherheit gebracht wurde. Ein großer LKW wurde beladen und verließ das Gelände mit unbekanntem Ziel.
Gänsehalter untragbar für Bundesverband
Der Bundesverband der bäuerlichen Gänsehalter (BBG) distanziert sich von der Tierquälerei. Bis vor Kurzem war Tierquäler Schwerk im Vorstand des BBG. VIER PFOTEN forderte den BBG auf, Schwerk sofort aus dem Verband zu entlassen und alle Mitgliedsbetriebe auf Lebendrupf zu überprüfen. Inzwischen will der Gänsezuchtverband mit dem Tierquäler nichts mehr zu tun haben. Auf Aufforderung des Verbandes trat Schwerk aus.
VIER PFOTEN fordert strenge Kontrollen auf Lebendrupf von sämtlichen Gänsehaltungsbetrieben und ein entschlossenes Vorgehen der Behörden gegen die Firma Schwerk. Kunden sollten Firmen mit deratigen kriminellen Tierschutzvergehen von ihren Einkaufslisten streichen.
Da man Daunen nicht ansehen kann, ob sie aus grausamen Lebendrupf, wie er in vielen Ländern Standard ist, oder von geschlachteten Gänsen stammen, rät die Tierschutzorganisation von Daunenprodukten ab. Es gibt viele tierfreundliche Alternativen.

